Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Ob Tunika, Topfhelm oder Brogans, hier wird es gezeigt und diskutiert.

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Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon gijoe am Fr 7. Nov 2014, 16:26

Ein beliebtes Ausrüstungsstück der US WWII Reenactoren ist die "Cap Herrinbone Twill"
Da WWII Reenactoren selten seriöse Sammler sind und noch seltener auf historische Quellen oder Bücher zurückgreifen denken alle diese schneidige Mütze sei die von der Infanterie zum HBT Arbeitsanzug getragene Kopfbedeckung.
Händler und andere Reenactoren festigen diese Meinung.
Das ist aber falsch !!!!!!!
QM Cataloge August 1943 "Cap Heriingbone Twill issued to Armoured Forces only"
QM Cataloge 1 April 1944 " issued to mechanics and other specialized troops.
Eigentlich müsste man zum HBT die berüchtigte Daisy Mae Cap tragen, historisch korrekt aber die Kameraden werden dich auslachen.

FARB [-X

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Historisch korrekt \:D/

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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon gijoe am Fr 7. Nov 2014, 17:00

Ein weiter sehr beliebter Ausrüstungsgegenstand von Reenactoren verschiedener Nationen ist der "
Sleeping bag Mountain M-1949*. Man muss kein Experte sein um zu merken das da etwas nicht stimmen kann. :-k
Der Slleeping Bag M1949 unterscheidet sich vom "Sleeping Bag Mountain M-1942" durch den bis unten laufenden Reisverschluss. Sleeping Bags M1942 sind schwer zu finden und teuer weil sie damals hauptsächlich den Gebirgstruppen vorbehalten waren.
Der normale GI benutze wie alle Soldaten des WWII Wolldecken.
Ab Ende 1943 wurden die neuen "Sleeping Bag Wool", zuerst an der Italienfront, eingeführt.
In Nordeuropa kamen sie vermutlich erst ab Herbst 1944 in grösserer Menge zu den Soldaten. Reenactoren zeigen gerne Fotos die GI s mit angehängten Schlafsäcken zeigen die an "Mountain Sleeping Bags "erinnern. Sammler deuten das aber als "Sleeping Bag Wools "mit eingerollter Woldecke.
Schlafsäcke und Decken aus Wolle beissen und es besteht bei 15 Grad Nachttemperatur, an Sommer Events, die Gefahr zu erfrieren :-s Darum wird man wohl in Zukunft glauben die seien damals alle mit Daunenschlafsäcken ausgerüstet gewesen.

FARB [-X

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Historisch korrekt =D>


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Korrekt für späterer Krieg

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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon Sutoris am Mo 1. Dez 2014, 11:44

Hallo an alle,

und an alle meine Freunde aus dem Spätmittelalter. Die Schuhnägel, die viele SpäMi-Darsteller unter Ihren Schuhen haben, sind sog. "Wehrmachts-Schuhnägel". [-X Im Spätmittelalter waren die Nägel wesentlich größer und hatten nicht diese 5 oder 6kantige Form. Zudem waren Schuhnägel gerade in dieser Epoche sehr selten und die meistens Originale lassen darauf schließen, dass es sich um die Schuhe von Bergleuten, Minenarbeitern oder die Arbeiter eines Steinbruchs handelte. Das Argument "Ich brauche die Nägel, weil man damit mehr Halt beim Fechten hat." ist zwar nachvollziehbar aber bislang nicht belegt.

Viele Grüße
Sutoris
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon Hontes am Fr 5. Dez 2014, 18:17

[@admins: slightly OT]

... "man hat keinen Halt beim Fechten" halte ich für Blödsinn. Ich fechte seit Jahren mit wendegenähten Schuhen.
Meine Meinung nach sind die Leute zu faul, sich auf ihre veränderte Hardware einzustellen. Tatsache ist, dass wendegenähte Schuhe den Fuß nicht so unterstützen können wie ein moderner Schuh, deswegen muss man ich auch anders benutzen. Aber irgendwie wollen das ein paar Leute nicht wahrhaben.
(Falls ihr das ausprobieren wollt: lauft mal barfuß, da merkt man die fehlende Unterstütung der modernen Sohlen am besten.)
Fechten ist wie kochendes Wasser: sobald man aufhört, Energie hinzuzugeben, kühlt es ab.
Historisches Fechten: http://www.hohentwieler-klingenkunst.de
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon gijoe am Sa 6. Dez 2014, 06:56

Vielleicht ist es auch weil man Nägel besser ersetzen kann als abgelaufene Sohlen an den teuren Schuhen. Wobei sich die Frage stellt wie schnell sich Ledersohlen auf Mittelalterlichen Grund ablaufen ?
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon gijoe am Sa 6. Dez 2014, 08:31

WWII Biwak
So sieht es der Reenactor :
Small Wall Tent mit Feldbett Tisch Kisten für Material des persönlichen Gebrauchs. M1949 Mountain Sleeping Bag......
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So sah es die Army vor:
Ausrüstung eines Soldaten nach Field Manual 21-100
https://archive.org/details/FM21-100
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So war es an der Front:
Diese Bild widerlegt übrigens gerade noch eine andere Behauptung von WWII Reenactoren," die trugen damals keine Gasmasken rum" :---)
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Normandy 1944
Medicals hinter der Front. Die Grosszelte der Einheit wurden in erster Linie für die Verwundeten gebraucht.
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon IR30 am Sa 6. Dez 2014, 10:26

Das hast du aber in allen Zeiten.

99% der Darsteller: in weissen Baumwollzelten:
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1% im passenden Zelt aus M92 Zeltbahnen:
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Von unten betrachtet wirkt Niveau immer wie Arroganz.
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon Sutoris am Sa 6. Dez 2014, 11:17

Juhu, wir sind die 1%. :smt041

www.ir30.de
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon Sutoris am Sa 6. Dez 2014, 11:23

Die Sohlen der mittelalterlichen Schuhe habe im Schnitt ca. 3-6 Monate gehalten, je nachdem welche Tätigkeit der Besitzer damit ausgeführt hat. Geht man von 10 Veranstaltungen à 3 Tage aus im Jahr, dann würden sie in heutiger Zeit ca. 3-6 Jahre halten, bevor die Sohle ersetzt werden muss.

Daher ist zu empfehlen, bei schlechtem Wetter die Trippen (Unterschuhe) zu tragen, dafür sind sie ja da. Es ist sicherlich möglich, dass die Sohlen durch die Nägel wesentlich länger halten, aber auch wesentlich un-authenischer.
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Re: Verzerrung der Geschichte durch WWII Reenactoren

Beitragvon gijoe am Sa 6. Dez 2014, 11:31

So muss es sein ! Es gibt da schöne Reglemente wie man aus Zeltplanen auch Grosszelte bauen kann. Die weissen Baumwollzelte sind halt zeitlos. Es gibt Epochen da waren Zelte eher die Ausnahme und wenn es welche gab ist man sich nicht sicher wie die ausgesehen haben könnten. Im US WWII Reenactment sind viele Reenactoren nicht einmal mit einer Zeltplane ausgerüstet. Braucht man ja nicht \:D/ Grosszelte sind schon o.k . wenn man sie historisch korrekt plaziert. Für einen Feldflughafen, Lazaret , Truppenlager in England.....dann allerdings mit der korrekten Einrichtung und der korrekten Belegung. 6 Männer in einem Civil War Wall Tent usw.

Hier ist unser Grosszelt für 8 Personen

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