Gardist 2nd Foot Guards, Waterloo 1815

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Gardist 2nd Foot Guards, Waterloo 1815

Beitragvon troupier suisse am Mi 9. Sep 2009, 20:22

Gardist 2nd Foot Guards 1815, 85mm Charles C.Stadden

Historia:

Das 2. Bataillon des Coldstream Regiment of Foot Guards war ein Teil der 2. Gardebrigade die Wellington bei Waterloo an der rechten Flanke beim Landsitz Hougoumunt postierte. Als das Bataillon am 17.Juni auf der Brüsseler Strasse nach Hougoumont marschierte, herrschte vorerst noch schönes Wetter. Am späten Nachmittag zogen indes dunkle Wolken auf. Als die Gardebrigade das Chateau Hougoumont erreicht hatte begann es zu regnen. Während der ganzen Nacht befestigten die Gardisten das Anwesen. Im strömenden Regen wurden eilig Palisaden errichtet und Schiessscharten in Mauern gehauen.

In der Nacht bezog die französische linke Flanke Stellung vor Hougoumont. Nachdem der aufgeweichte Boden etwas getrocknet war, begann Napoleons Bruder Prince Jerome kurz nach halb Zwölf mit einem Divisionsangriff auf Hougoumont. Damit sollten britische Reserven dorthin gezogen werden was das Zentrum hätte schwächen sollen. Die 2. Gardebrigade musste jedoch die Flanke weitgehend alleine halten und kämpfte gegen die 6. französische Division die Hougoumont hart bedrängte. Im Hof des Chateaus kam es zu erbitterten Nahkämpfen und einige Gebäude fingen Feuer.

Es gelang den Franzosen beinahe durch das beschädigte Haupttor einzudringen. Ein hartes Ringen spielte sich am Tor ab, wobei die Franzosen es versuchten aufzudrücken während die Briten es mit aller Macht zupressten. Sergeant Graham der Coldstream Guards gelang es das Tor mit einem Balken wieder zu verschliessen (die Coldstream würdigt die Tat noch heute in der etwas bizarren Zeremonie "of the hanging of the brick"). Um die Briten niederzukämpfen wurde nun auch General Foys 9. Division zur Verstärkung geschickt.

Nun stand das von 2000 Gardisten verteidigte Hougoumont auf drei Seiten unter Angriff. Es gelang das Chateau einzuschliessen und Wellington schickte zusätzliche Gardekompanien zur Verstärkung. Sie kämpften sich zum hinteren Tor des Anwesens durch. Gegen 14.00 Uhr erkannte Prince Jerome dass es nicht möglich war Hougoument zu nehmen. Das Chateau wurde jetzt unter französisches Haubitzenfeuer genommen. Die beiden Gardebattailone die Hougoumont gehalten hatten verloren dabei um die 500 Mann an Toten und Verwundeten.


Bild

Baubericht:

Auf der Sammlerbörse 2008 in Basel fiel mir eine lieblos zusammengeklebte und nur teilweise bemalte Figur auf einem Tisch auf. Mir stach die lebendige Pose ins Auge. Ich kaufte den kleinen Kerl im 80mm Weissmetall für 12.-. Seine eine Gesichtshälfte war beim Guss offenbar missraten und die Muskete ebenfalls. Er war zu allem Unglück auch noch verkehrt auf seinen Sockel geleimt. Aber die Pose gefiel mir so, dass ich dachte dass sich daraus noch etwas machen liesse.

Immerhin gab der Sockel Auskunft über den dargestellten Soldaten. Es handelte sich um einen Private der leichten Kompanie des Coldstream-Regiments der Foots Guards um 1815. Auf der Grundplatte war der Name des Skulpteurs eingraviert. Ich hielt offenbar eine Figur von Charles Clarence Stadden in Händen. Stadden wurde 1919 in London geboren und diente während des Zweiten Weltkriegs beim Royal Army Service Corps als Fahrer und kam zum Cyprus Regiment mit dem er 1940 die Evakuierung von Dünkirchen mitmachte.

Später kam er mit einer Mule Pack Company des Cyprus Regiment in den Nahen Osten. Im Februar 1944 war er mit seiner Maultiekompanie an der Schlacht von Monte Cassino beteiligt. Seine Einheit war in Italien unter anderem der 2nd Canadian Infantry Brigade und der Indian 4th Division unterstellt. 1946 wurde Charles C. Stadden als Sergeant der Royal Fusiliers demobilisiert. 1951 wandte er sich der Gestaltung von Modellsoldaten zu. Als Skulptor schuf er bis 1995 über 200 Figuren, von 25mm bis 90mm.

Es überrascht nicht dass seine besondere Zuneigung dem britischen Soldaten im Wandel der Zeit galt. Am 12. September 2003 starb Charles C. Stadden im Alter von 83 Jahren. Eine seiner Figuren war der verhunzte Gardist den ich erwarb. In den Details (wie etwa der Feldflasche und dem umgehängten Bajonett) entspricht die Figur nicht mehr den heutigen hohen Masstäben an eine Miniatur dieses Masstabs. Aber die lebendige Haltung der Figur macht vieles wett.

Waterloo soll es sein

Es galt zuerst Recherche zu betreiben. Ein Coldstream-Gardist um 1815 musste für mich natürlich einen Bezug zu Waterloo haben. Ich entschied mich für eine Bemalung die dem 2nd of Foot Guards (Coldstream Guards) bei der Verteidigung von Hougoumont am 18.Juni 1815 entsprach. Doch zuerst beschäftigte mich das kläglich bemalte und halbseitig fehlgegossene Gesicht, sowie die Muskete die jemand mit der Hand in vertikaler Haltung angeklebt hatte. Gesicht und Hände wurden mit Farblöser gereinigt.

Hand und Muskete wurden mit sanfter Gewalt gelöst, um später korrekt neu positioniert zu werden. Brutale Gewalt war beim verkehrt angeklebten Sockel nötig. Schliesslich wurde das Teil nach anderen gescheiterten Wegen mit einem Schraubenzieher angeknackt. Mit etwas Schleifen wurden die Leimspuren entfernt und es passte wieder zur Grundplatte. Der Tornister wurde zur Feinbearbeitung abgetrennt. Dann mussten erst die ganzen üblen Gussgrate weg.

Nach der Schleiferei ging es an das plumpe Bajonett am Bandolier, das so ugly aussah. Aus der Grabbelkiste liess sich ein Stück Plastik passend als neue Bajonettscheide schnitzen. Mit Putty verputzte ich die verunstaltete Gesichtshälfte. Dann folgte ein Drama das ich erst später realisierte. Fröhlich hielt ich mich an eine Malvorlage des Händlers der noch heute die Figuren für 45 Pfund Sterling online anbietet. Das war ein Fehler.

Das Elend bei den Hosen und dem Tschako

Ich hatte noch nie so schöne graue Hosen hinbekommen, wie jene dieses britischen Gardisten bei Waterloo. Die Schattierungen in verschiedenen Grautönen waren mir toll gelungen. Dann stolperte ich über die Information, dass das 2nd of Foot als eitle Gardetruppe bei Waterloo in weissen Leinenhosen gekämpft hatte. So wurde das ganze schöne Grau mit Weiss überpinselt (wo Weiss so schweineschwer zu schattieren ist!). Ebenso schmerzte eine andere Neuigkeit zum prächtigen Tschako.

Das Regiment hatte in der Nacht zum 18.August 1815 wegen des sehr schlechten Wetters die hübsche Montur vom Tschako entfernt und einen schmucklosen schwarzen Wachtuchüberzug über ihn gestülpt. Also weg mit Kordelkram und Federbusch. Es wurde gekratzt und geschliffen und mit Alufolie ein Wachstuchüberzug gebastelt. Jetzt hatte er zwar schöne weisse Hosen, dafür einen hässlichen schwarzen Kübel auf dem Kopf. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Brown-Bess Muskete.

Der straff angezogene Riemen war derart missraten beim Guss, dass alles Schaben und Schleifen nichts retten konnte. Mit Plastikkarte wurde ein neuer Gewehrriemen gefertigt. Und um die beim Guss etwas vermurkste Flinte wettzumachen, wurde der Riemen locker dargestellt. Zwei Teile (vor und nach der haltenden Hand) stellen nun den Riemen geöffnet und hängend dar. Nach den Korrekturen schwor ich mir, künftig erst mit Malen zu beginnen wenn alle Recherchen gründlich erledigt sind.

Um die Figur etwas über den Verlust des Tschakoflitters hinwegzutrösten, machte ich aus dem normalen Gardisten einen Corporal. Auch da musste nach späteren Erkenntissen noch korrigiert werden, denn es gibt starke Indizien dafür dass bei diesem Regiment die Gradwinkel nur am rechten Arm getragen wurden. Also Winkel links flugs übermalt. Doch dass sah ich gravierte Beschriftung auf dem Sockel, wo nix von Corporal stand. Ich wollte den Sockel schon weglassen.

Er gefiel mir nicht richtig, und die blasse Fussplatte hatte ich mit Putty, Steinchen für die Märklin und drei Büscheln Kunstgras naturnah aufgemotzt und dabei Chas. C. Staddens Signatur überkleistert. Nun wollte ich Staddens Handschrift nicht auch noch mit dem Weglassen des Sockels tilgen, also wurde auch er bemalt und mit dem neuen Rang versehen. Und dass die Rotröcke ihre Tornister eigentlich ablegten bevor sie ins Gefecht zogen, habe ich einfach mal ignoriert und hoffe es merkt's keiner.


Aus derselben Bastelküche:
4th Kings Own, 28mm Victrix
Sergeant 3rd Battalion the Royals Scots, 90mm Elisena
Sergeant Bernard McCabe, 54mm Sparta
Oberst Nils Nilsson Brahe, 54mm Airfix
Letov-Doppeldecker S.231 1:72 von KP
Zuletzt geändert von troupier suisse am Mi 7. Okt 2009, 13:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Tech am Mi 9. Sep 2009, 20:45

Sehr interessant geschriebener Baubericht und eine spannend recherchierte Historie. Wirklich, da ist Dir ein besonderes Juwel gelungen! Vor allem der Gewehrriemen hat es mir angetan, wie er so echt und lebendig wirkt.

Im letzten Abschnitt ist aufgeführt, dass die Briten es vorzogen, ohne Tornister in die Schlacht zu ziehen. Als in späteren Zeiten angesiedelter darf ich die Frage stellen: Was gedachten die Briten denn zu tun, wenn sie durch die Kampfhandlungen oder anderweitig bedingt nach den Kampfhandlungen nicht mehr zu ihren Siebensachen zurückkehrten?

"Ein fundamentaler Grundsatz für die kleinen Armeen besteht darin, immer in Massen zu handeln; durch seine Anwendung allein können sie einige bedeutende Unternehmen vollbringen, indem sie darauf verzichten, alles zu decken und nur das Hauptziel anpeilen." (Jomini, 1779-1869)
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Beitragvon troupier suisse am Do 10. Sep 2009, 05:32

Wenn man nach den Kampfhandlungen nicht mehr zum Gepäck zurückkommen konnten, musste der Train die Tornister einsammeln und der Truppe nachschicken, wobei regelmässig Packungen verlorengingen oder geklaut wurden. Auch geschah es häufig, dass Tornister trotz zurückgelassener Wache von anderen nachrückenden Regimentern ausgeplündert wurden, so dass die aus dem Gefecht zurückkehrende Truppe sich bestohlen wiederfand. Daher wusste jeder Soldat, dass man handliche Dinge die einem wirklich wichtig waren besser stets im Brotsack auf Mann mittrug (oder auch schon mal im Tschako versteckte), auch wenn das nicht immer erlaubt war.
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Beitragvon Napoleon am Do 10. Sep 2009, 06:40

Wunderschöne Figur. Das Teil hast du absolut super hinbekommen, vor allem wenn man die Figur in ihrem Rohzustand gesehen hat.
Auch wenn die Firguren frühere Generationen nicht ganz so super ins detail gehen kann der Gute Modellbauer vieles herausholen. Gewusst wie. :smt041

Leider habe ich bei all dem was ich unterdessen sonst noch mache einfach keine Zeit mehr für solche Sachen.
Jeder Erfolg, den man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muß mittelmäßig sein, wenn man beliebt sein will.
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