Theaterkritiken

Was demnächst im Kino, Fernsehen & Theater läuft oder gerade gelaufen ist.

Re: Theaterkritiken

Beitragvon Varuna am Fr 14. Mai 2010, 07:47

Nur damit das hier mal gesagt ist: Danke für deine Ausführungen und Kritiken, ich lese sie immer mit grossem Vergnügen! =D>

Gruss, Céline

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Varuna
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Mo 31. Mai 2010, 22:55

Merci :smt001 Und ich hab schon wieder was Neues -

RUSALKA
EIne Mischung aus KLeine Meerjungfrau und Undine, vertont von Dvorak. Ich mag die Musik sehr gerne, teilweise sehr episch (wer Smetanas "Mein Vaterland" kennt und mag wird auch mit Rusalka glücklich werden) Die Sänger sind auch hervorragend, Krassimira Stoyanova als Rusalka, Piotr Beczala als Prinz, Liliana Nikiteanu als Hexe, Alfred Muff als Wassermann und Michelle Breedt als fremde Fürstin bekamen einen wohlverdienten tosenden Applaus. Die Regie ist Geschmackssache (mir hat sie nicht gefallen) Verantwortlich zeichnet Matthias Hartmann, gewesener Intendant am Schauspielhaus Zürich. Und das sieht man - seine Inszenierung ist sehr "Schiffbau-artig", schräge Bühne, und in mindestens einer Szene vollgepackt mir irgendwelchem hässlichen Gerümpel. Hier eine Müllhalde im letzten Akt. Die beiden ersten Akte find ich jetzt im Nachhinein gar nicht mehr so übel, da waren doch einige sehr gute Ideen drin. Das Wasser durch ein blaues Blumenfeld darzustellen z.B. hat mir sehr gefallen, und auch die durchsichtigen Ballons als Luftblasen. Die Elfen wären hübsch gewesen, wenn sie nicht so auf Drogenopfer geschminkt gewesen wären. Das Lied an den Mond ist genial gemacht - Rusalka liegt mit ihrem schimmernden Fischschwanz so halb auf einem grauen Felsblock, und hinter ihr steigt langsam eine grosse, leuchtende Mondscheibe nach oben. Die absolute Dekadenz am Hof des Prionzen im 2. Akt kommt auch gut rüber, allerdings ist sie teilweise schon so überzeichnet dass das eigentlich Tragische zur lachnummer wird. Nikiteanu als feuerschiessende, weissäugige Hexe mit riesigem Buckel ist echt beängstigend widerlich, und Michelle Breedt als Fremde Fürstin im extravaganten Diorkleid mit Cruella-De-Vil-Frisur schlicht eine Augenweide.
Absolut nicht gefallen hat mir der dritte Akt, plötzlich sind wir auf einer Müllhalde (soll wahrschienlich Rusalkas zerstörte Welt darstellen, aber trotzdem - muss das sein?) Rusalka wird statt zum Irrlicht zur Pennerin, und der Wassermann kommt ölverschmiert von einem Ausflug im Golf von Mexico zurück (das ist wirklich die offizielle Interpretation)
Meiner Meinung nach eine Inszenierung, die krampfhaft modern, neu und zeitkritisch sein will, und wenn man es den Leuten mit dem Holzhammer einprügeln muss. Nichts darf mal einfach nur schön sein (abgesehn vom Lied an den Mond), alles muss kritisch interpretiert werden. Sehr Schauspielhaus.
Absolut hörenswert (der einzige Grund, sich einen der Katzenplätze hinter den Säulen zu kaufen) und für Leute, die diese Art Inszenierung mögen auch sehenswert.
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Fr 18. Jun 2010, 00:35

... und noch die letzte Premiere diese Spielzeit

SALOME von Strauss. Wer die Musik von Strauss mag dürfte mit dieser Oper glücklich werden, hervorragende Sänger - Gun-Brit Barkmin als Salome ist umwerfend, und auch Alfred Muff als Herodes, Dalia Schaechter als Herodias und Eglis Silins als Jochanaan sind beeindruckend. Bühnenbild und Kostüme sind zeitlos/modern, aber auf unaufdringliche, meiner Meinung nach passende Art. Auch die Inszenierung ist durchaus schlüssig, einziger Knackpunkt war für mich der Schleiertanz, das ist weniger ein Tanz ale ein Hin-und-herrennen-Powackeln und Umziehen. Fand ich persönlich, trotz den nackten Tatsachen am Schluss, langweilig.

Nur wer Strauss nicht mag hat wahrscheinlich nicht sehr viel davon, es geht 1 3/4 Stunden ohne Pause durch (ich gebs ja zu, nach Elektra und jetzt Salome bin ich zu dem Schluss gekommen, Strauss ist für mich organisierter Krach mit ein paar schönen Passagen - ich mag ihn NICHT) Aber das ist ja zum Glück Geschmackssache
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Mo 18. Okt 2010, 22:06

Die neuste Produktion -

GESUALDO von Dalbavie. Die Oper wurde extra vom Opernhaus in Auftrag gegeben, also nicht nur eine Neuinszenierung, sondern eine Uraufführung. Erzählt wird das Ende (oder zumindest die letzte Zeit) von Gesualdo di Venosa, einem italienieschen Spätrenaissancefürsten, der nebenher auch noch Madrigalkomponist war (und seiner Zeit extrem voraus war mit dem was er geschrieben hat) Besagter Gesualdo hat einige Jahre vor Beginn der Opernhandlung seine Frau mit ihrem Liebhaber in flagranti erwischt und beide erstochen, sich danach auf seinem Schloss verschanzt und rundum alle Bäume abholzen lassen um etwaige Rächer schon von weitem zu sehen. Mit seiner 2. Frau und dem Sohn aus erster Ehe führt er nun dort ein recht tristes Leben, Eheleben ist so gut wie keines vorhanden, ausser dass man sich gelegentlich streitet, dafür tut er sich an der weiblichen Dienerschaft gütig. Und komponiert. Und lässt sich als ewige Sühne jeden Tag auspeitschen. Hier setzt die Opernhandlung ein, dargestellt wird das einerseits trostlose, andrerseits dekadent ausschweifende Leben der Schlossbewohner und gleichzeitig wie Gesualdo immer mehr in seinen Depressionen versinkt, als dann noch sein Sohn an einer Krankheit stirbt ist er vollends ein gebrochener Mann der sich in sich selbst zurückzieht.

Nach einem Inteview mit dem Komponisten, wo er sagt, alles schöne müsse gebrochen werden und Harmonien & Co. seien völlig überholt und sowas von von gestern war ich schon auf das Schlimmste gefasst - und wurde dann positiv überrascht. Nix mit "modernem" aber völlig sinnfreiem Gekiekse, sondern doch Musik (auch für mein altmodisches, kunstbanausisches Ohr) und auch ein Text der Sinn macht. Dazu werden immer wieder Originalkompositionen von Gesualdo persönlich eingebracht - alles in allem eine rundum geschlossene, harmonische Sache. Auch die Inszenierung hat mir, abgesehen von ein paar modernen Strubitäten die ich nicht so ganz versteh, eigentlich gefallen, sie ist sehr ruhig, und kommt eigentlich auch ohne grosse Effekthascherei aus. Und ohne die im modernen Theater schon fast obligatorischen Quotennackten. Die Kostüme sind stilisierte Renaissance, aber durchaus noch erkennbar wos herkommt, und auch das Bühnenbild ist eindeutig ein Schlosshof/Burghof. Auch die Sänger bringen ganze Leistung, Rod Gilfry als Gesualdo und Liliana Nikiteanu als Gesualdo und eine 2. Frau Eleonora, dazu Helene Couture als Zofe Francesca sind sowohl hörens- als auch sehenswert.

Alles in allem ein Stück das sich meiner Meinung nach lohnt es anzuschauen, keine Oper im traditionellen Sinn wie ein Wagner oder Verdi (wobei auch mit denen ja oft Schindluder getrieben wird), aber eine Form der Oper der ich durchaus etwas abgewinnen kann
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Fr 3. Dez 2010, 11:07

Und wiedermal ein Verdi - I MASNADIERI (Die Räuber von Schiller)
Mir hat die Inszenierung sehr gefallen, ein schönes, sehr einfach gehaltenes Bühnenbild, nette Kostüme - die Hauptfiguren in Rokoko, die Räuber ein Haufen Jack Sparrow-Verschnitte in vorwiegend Rottönen - und gute Sänger. Fabio Sartori als Carlo (bei ihm ist nur schade, dass er so steif (und kugelrund, daher die Steifheit :-$ ) ist, den zum Räuber gewodenen Student (Student = jung, etc) nimmt man ihm optisch nicht so ganz ab) Thomas Hampson als Francesco (ein herrlicher, abdrehender Bösewicht), Carlo Colombara als Vater Moor (die Stimme :smt050 ) und Isabel Rey als Amalia (sie macht ihre Sache zwar gut, aber gegen die Männer ist sie im Vergleich etwas schwach). Die Musik ist typisch Verdi - italienisch, hat was von Filmmusik, mitreissend - ich mag Verdi :smt001
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Do 27. Jan 2011, 23:35

LE COMTE ORY
Eine ehre unbekannte Oper von Rossini. Die Handlung ist nichts was einen jetzt vom Hocker reisst - in einem Dorf sind die Männer weg auf Kreuzzug und die Frauen unter Keuschheitsgelübde daheim, was der Graf Ory und seine Kumpane zur Schürzenjägerei nutzen, an der schönen Gräfin beissen sie sich allerdings die Zähne aus weil die lieber Isolier, Orys Pagen, hat, am Schluss kommen die Männer zurück und Ory & Co müssen schnellstens durch den Geheimgang verschwinden um nicht verhauen zu werden. Eigentlich ein Vehikel für die Sänger also :smt002
Dafür ist die Inszenierung echt witzig, und man sieht den Sängern - La Bartoli persönlich als Comtesse, Javier Camarena als Ory, Rebekka Olvera als Page Isolier und Liliana Nikiteanu :smt050 als Gesellschafterin der Comtesse - an dass sie auch Spass am Spielen haben. Einige Szenen gaben sogar spontane Lacher aus dem Publikum. Das Stück spielt jetzt in den 60ern (geht mit dem Text auch ganz gut so durch, nur die ein-, zweimalige Erwähnung von Kreuzzug muss man ignorieren, dafür ists dann doch ein paar hundert Jahre zu spät :smt002 ) in einem kleinen Kaff, Ory, der sich im ersten Akt als Eremit verkleidet um so der holden Weiblichkeit an die Wäsche zu können ist ein leicht versiffter Rumtreiber im Wohnwagen, die Comtesse trägt bei der Pyjamaparty im 2. Akt ein schweinchenrosa Nachthemd mit einem herrlich augenkrebserregenden rosa-orangenen Morgenmantel mit Rüschen, die Damen allesamt Lockenwickler und puschelige Pantoffeln, und die als Nonnen in Not vekleideten Ory & Co kriegen zur Übenachtung von den Frauen grosszügigerweise Nachthemden geborgt, in denen sie dann, als sie auffliegen, türmen müssen... :smt042
Einfach mal wieder ein Abend zum reinsitzen, schöne Musik hören und sich amüsieren :smt001
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Sa 29. Jan 2011, 23:55

TANNHÄUSER ODER DER SÄNGERSTREIT AUF DER WARTBURG
Erstens - es ist lang. 4,5 Stunden inkl Pausen. Zweitens - es lohnt sich. Zuerst war ich ja sehr skeptisch, sie haben den guten Tannhäuser in eine ziemlich heutige Welt gesetzt - der Venusberg ist ein dekadentes Edelpuff, die grosse Halle auf der Wartburg ein Fernsehstudio wie man es von den ganzen Castingshows kennt, und die heimkehrenden Rompilger kommen auf einem Bahnsteig an. Ich Kunstbanause bin also mit nicht allzu grossen Erwartungen rein - und wurde positiv überrascht, das Ganze macht Sinn und reisst wirklich mit. Der Venusberg ist herrlich dekadent, die Gäste sind unter anderem ein Haufen Kirchenvolk (die sich dann im 2 Akt EMPÖREN dass Tannhäuser im Venusberg war, wie kann er nur, der Sittenstrolch!) die Belegschaft trägt zwar sehr wenig (optisch, es sind hautfarbene Trikots, also keine Quotennackten) dafür varietemässige schwarze Spitze und Federn, und Venus (Vesselina Kasarova in Hochform) selber ein wunderschönes von schwarz zu rot verlaufendes Seidenkleid (auch hier nicht vulgär freizügig, es hat lange Ärmel und einen langen Rock, nur der Ausschnitt ist waffenscheinpflichtig). Tannhäuser selber (Peter Seiffert, eigentlich singt er schön und spielen tut er auch gut, nur ab und zu schreit er etwas zu sehr für meinen Geschmack, aber das tun Wagnertenöre anscheinend öfter) ist im Bequemlook mit zerstrubbelten Haaren, Hemd über der Hose und offenem Mantel. Einige Aktionen von Belegschaft und Gästen kommen einem zwar etwas seltsam vor, aber anscheinend hat das good old Richi selig selber so vorgeschrieben (wie der von den Mänaden zerlegte Orpheus, Europa und der Stier, Ledas Schwan... keine Ahnung was das im Venusberg verloren hat, aber wenn der Maestro selber das so wollte :smt102 Ist jedenfalls nett, dass sich mal ein Regisseur die Zeit nimmt das "alte, verstaubte Zeugs" zu lesen und es auch umzusetzen)
Die Wartburggesellschaft ist dann die High Society in Abendkleid und Frack (Nina Stemme als Elisabeht singt nicht nur umwerfend, sie sieht auch hinreissend aus in ihrem langärmligen royalblauen Kleid mit Schleppe :smt050 )
Am Bahnhof sind sie dann alle etwas abgewirtschafteter, auch die Daheimgebliebenen hatten es anscheinend nicht nur lustig.
Die Musik ist halt Wagner, entweder man mags oder nicht. Mich erinnerts immer an Filmmusik :smt002 Einziger kleiner Schwachpunkt ist, wie oft bei modern insznierten Opern, dass einige Textstellen nicht so ganz passen, wenn die Herren im Frack von Rittern und Schwertern reden stutzt man kurz. Meistens stört mich das gewaltig, aber hier wurde es - wie auch bei Comte Ory letzte Woche - vom Gesamteindruck wieder gutegemacht. Dass der Text manchmal - in meinen Augen - recht seltsames Deutsch ist geht auch wieder auf die Kappe von Herrn Wagner persönlich, der hat nämlich auch den Text selber verfasst.

Alles in allem eine gute Sache, durchdachte Inszenierung, schöne Ausstattung (über 300 Kostüme!) und hervorragende Sänger - die 4.5 Stunden merkt man gar nicht :smt001


... Jetzt wart ich eingentlich nur noch drauf, dass die Political-Correctness-Front auf Herrn Wagner aufmerksam wird, dann wird der Chor wohl bald seinen Herrn auch nicht mehr mit "Heil Landgraf..." begrüssen dürfen, und auch Wolfram von Eschenbach wird sich was anderes einfallen lassen müssen als "Ritter, edel, deutsch und weise", hui, Nazipropaganda #-o
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Hagelhans am So 30. Jan 2011, 01:07

Danke für die Warnung! Wie ich diese Inszenierungen hasse! ich bin wohl einfach zu dumm und ungebildet dass mir der Zugang daffür gänzlich fehlt.
die Besetzung ist ja wieder supper wie so oft in Zürich. Nur,Wagner ist doch einfach ein Gesammtkunstwerk. So wie es Wagner geschrieben hat. so wie er es inszenierte. So und nur so ist es für mich richtig. :smt022

Tannhäuser hat die für mich eine der gewaltigsten Overtüre der Musikgeschichte. Diese Würde! Dies Dramatik! und für die Streicher fehlem nir die Worte....
So etwas kann man doch nicht in badehosen aufführen. :smt022 (Bei wagner bin ich halt einfach sensiebel.)


http://www.youtube.com/watch?v=wNJxJDeH ... re=related
http://www.youtube.com/watch?v=EPtCsEh- ... re=related

Und von wegen Filmusik:
Die locker, leicht über die Wolken galoppierende Brünhild
http://www.youtube.com/watch?v=1aKAH_t0 ... re=related

Und nun der übergewichtige Hoss Cartwright
http://www.youtube.com/watch?v=SLg8tZkW71k

Die haben bei Bonanza einfach die Noten umgekehrt? :smt002
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Elwing am Di 1. Mär 2011, 22:54

NORMA
Nach dem Wagner wieder ein Italiener - Bellini. Mit einer recht dramatischen Geschichte, Gallische Druidin hat heimlich mit einem römischen hohen Tier 2 Kinder, der will sie verlassen wegen einer jüngein (auch Priesterschülerin bei den Galliern - die spinnen die Römer :smt002 ), die jüngere kommt zu Norma um Rat, sie finden raus, dass beide den Gleichen lieben, die Jüngere verzichtet, und Norma klagt sich selber des Verrats an und stirbt zusammen mit ihren untreuen Geliebten der so blöd war und sich von den Galliern hat fangen lassen auf dem Scheiterhaufen.
Zu der Musik gibts eigentlich nicht viel zu sagen, die ist toll, sehr italienisch eben, lebendig, farbig... erinnert mich etwas an Verdi. Die Sängerinnen - Elena Mosuc als Norma und Michelle Breedt als Adalgisa - sind super wie immer, die beiden Herren, Roberto Aronica als untreuer Römer Pollione, Giorgio Giuseppini als Normas Vater, Oberdruide Oroveso, sind gut, nichts Weltbewegendes, aber auch nicht schlecht.
Die Inszenierung ist von Robert Wilson. Vielleicht hat wer seinen "Ring" im Opernhaus gesehen - dann kann man sich Norma eigentlich schenken, ist das selbe in grün - oder besser violett. Normas Kleid ist violett. Das ganze ist seeeeeeehr statisch, eigentlich eine lebende Lichtinstallation, wo die Objekte halt zufällig noch singen. Die Bewegungen sind geometrisch, wie mit dem Millimetermass abgemessen, gelaufen wird grundsätzlich nur in Zeitlupe, und das Licht fällt meistens auf die weiss geschminkten Gesichter und Hände. Die Kostüme sind - nett gesagt - am alten Ring angelehnt (Normas Kleid ist, obwohl von einer anderen Kostümbildnerin, genau das Gleiche wie Brünhildes im Ring, nur in violett, für die Statsisten wurden sogar grad die alten Ringkleider genommen, der Chor ist auch ganz ähnlich wie im Ring) So zum Anschauen eine schöne Sache (wenn auch etwas langatmig für mienen Geschmack, einmal Zeitlupe ist ja gut, aber wenn das das Einzige ist nutzt sichs in meinen Augen irgendwann ab) - wenn da die Musik nicht wäre. Die passt jetzt so gar nicht zu der Regie - oder umgekehrt. Ich hatte das Gefühl, Herr Wilson hatte mit dieser Art Inszenierung beim Ring Erfolg (da hats auch wunderbar gepasst) und zieht das jetzt gnadenlos durch, egal obs jetzt zur Musik passt oder nicht. Für mich hatte das Ganze so keinen Zusammenhang in sich. Das ist wohl wirklich auch wieder Geschmackssache - die Zeitungen loben die Inszenierung in den Himmel, an der Premiere gabs Buhs für die Regie...
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Re: Theaterkritiken

Beitragvon Hagelhans am Mi 2. Mär 2011, 16:21

Ich weiss nicht recht, ob das Opernhaus seine Erfolge wegen Wilson oder trotz Wilson verbuchen kan?

Besetzung grandios! Orchester phantastisch!
Regie? Augen zu und durch?
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