Alpenfestung - das Leben im Reduit

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Moderator: Napoleon

Beitragvon troupier suisse am Do 13. Aug 2009, 12:10

Kommt an sich im Kern auf's selbe raus - eine Excuse für mangelhafte Detailtreue. Aber ich fürchte wir bewegen uns nun mit amerikanischen Unterhaltungsfilmen etwas zu weit vom eigentlichen Thema des Threads weg. Sprechen wir wieder vom Reduit.
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Beitragvon panzerschreck am Do 13. Aug 2009, 17:16

Stimmt....

Soviel zum Thema Detailtreue:

http://videoportal.sf.tv/video?id=d71f0 ... Findex.php

#-o [-X :smt047

Ab Sekunde 43... eine Braune Papiertüte wäre bestimmt besser...
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Beitragvon gijoe am Do 13. Aug 2009, 19:38

Das Thema mangelnde Detailtreue wurde hier oft angesprochen. Napoleon hat sich Mühe gemacht das Equipment möglichst authentisch bereitzustellen. Aber die Leute die für den Nachschub verantwortlich sind haben schlichtweg gepfuscht. Eigentlich dürfte modernes Material gar nicht ins Projekt gelangen. Den Teilnehmern kann keine Vorwurf gemacht werden wenn sie benutzen was sie bekommen , es sind praktisch denkende Menschen und keine Hardcore Reenactoren.
Wenn wir ganz ehrlich sind , im Reenactment wird noch mehr gepfuscht.
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Beitragvon troupier suisse am Do 13. Aug 2009, 19:44

Das ist schon klar, auch im Reenactment gibt es Qualität und Pfusch. Eine Welt ohne beides ist Utopia, und dafür ist bis heute noch nicht einmal ein Klingel geschweige denn eine Tür bekannt. Alles was man tun kann, ist sich auf seinem Gebiet möglichst anzustrengen und nie in Selbstzufriedenheit verfallen. Aber wie gesagt, Reenactoren haben eine ganz andere Motivation und ganz andere Hintergrundkenntnisse als die Leute in der Sendung.

Zur heutigen Sendung

Wenn die Arbeit der Frauen und Kinder auf dem Hof nicht mein Interesse so sehr auf sich gezogen hätte; bei Gott, ich hätt die Mühle am liebsten abgeschaltet. Der Kommandant erweckt den Eindruck eines Mannes mit Kontrollzwang. Vor dem Bildschirm machen seine Offiziere nur den Eindruck von Drohnen die auf seinen Wille warten. Keiner der Offiziere kann eine eigene Funktion entwickeln, solange der Kommandant wie ein Kindermädchen sie nichts machen lässt und in Dinge eingreift die in die Kompetenz seiner Offiziere fallen würden. Dieser Mann glaubt, dass ohne ihn nichts läuft, und er lässt auch nicht zu dass etwas ohne ihn läuft.

Zugleich haben wieder seine Offiziere von ihm die Hucke voll gekriegt, weil die Mannschaft lauerig geworden ist. Dabei hat seine Schondisziplin mit Bier schon am ersten Abend und luftigen Marscherleichterungen eben diesen Misstand bewirkt. Wie kann er von den Offizieren verlangen dass sie die Mannschaft im Griff haben, wenn er sich ständig zwischen sie und die Truppe drängt und so nahe an den Leuten agiert dass die die Offiziere als direkte Vorgesetzte gar nicht mehr wahrnehmen? Wenn man über zwei Wochen der Mannschaft das Gefühl gibt, dass man sie vor zu grossen Härten bewahren will, dann muss man sich nicht wundern wenn die Truppe renitent wird, wie das heute der Fall war.

Die Offiziere konnten unter diesem Kommandanten wahrlich keine eigene Funktion entfalten und konnten so auch keine Kompetenz erlangen. Man glaubt zu spüren, dass der Feldweibel die Leute mehr in der Hand hätte als der Kommandant und die Offiziere zusammen. Ein Kommandant der seine direkten Untergebenen zu Randfiguren macht und sich selber bei der Truppe beliebt machen will, darf von seinen Offizieren nicht verlangen dass sie in kritischen Momenten jene Härte und Kommandogewalt ausüben können, die er selbst untergraben hat. Vieles von dem was dieser Mann in die Hand genommen hat, wäre Sache seiner Offiziere gewesen.

Dieser Mann erinnert mich an jenen Brigadegeneral der Union, der in der Schlacht von Gettyburg 1863 in einer höchst kritischen Lage angefangen hat persönlich Hand beim Ausrichten von Kanonen anzulegen. Weil ihm im Inferno der Schlacht alles über den Kopf gewachsen ist, begann er sich mit Details zu befassen, für die Männer weit unter seinem Rang zuständig gewesen wären. Er hatte seine grosse Verantwortung einfach fallen lassen wie einen schweren Rucksack, um sich um etwas anderes, leichteres zu kümmern, natürlich mit fatalen Folgen für den ganzen Verband unter seinem Kommando. Solches Verhalten, mit der Konzentration auf irrelevante Details die nicht ins eigene Fachgebiet gehören, ist in der Militärgeschichte oft zu beobachten.

Was heute geschehen ist, mit der unwilligen und maulenden Mannschaft, war das direkte Resultat des Führungsstils des Kommandanten. Der macht wiederum seine Offiziere für sein eigenes Versagen verantwortlich. Das Interessante an diesem Fall ist die Vorstellung, wie die Festung mit ihrer ganzen Besatzung im Ernstfall kläglich untergegangen wäre wegen der Führungsschwäche des Kommandanten. Seine Offiziere hätten im Gefecht nicht über jene überaus wichtige Eigenständigkeit und Kommandogewalt verfügt, weil er sie ihnen schon im Frieden entzogen hatte. Die Mannschaft wäre es gewohnt gewesen, dass ständig der Kommandant zugegen ist und ihr beisteht, und dieser hätte im Ernstfall eben nicht überall gleichzeitig sein können (wozu eben seine Offiziere da wären) und das Resultat wäre eine Festung die ihre Aufgabe nicht erfüllen konnte, weil der Kopf (Kommandant) sich seiner Hände (Offiziere) beraubt hatte.

Auf dem Hof haben mal wieder alle meinen Respekt verdient. Die beiden Buben mit ihrem Heuballen waren eindrücklich. Man muss sich vor Augen halten, dass damals sehr viel mehr manuell gemacht wurde als heute. Die Kinder machen den ganzen Schlauch ziemlich gut mit, wenn man bedenkt dass dafür ziemlich sicher viele Annehmlichkeiten die man sonst in den Schulferien geniesst zum Teufel gegangen sind. Eigentlich Schade, dass der Bauernhofalltag morgen vorbei ist. Das war eine Realitiy Soap die ich gerne sah. Man wäre Neugierig zu sehen wie sich die Hofgemeinschaft im Winter durchgeschlagen hätte.
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    Beitragvon gijoe am Do 13. Aug 2009, 20:15

    Es ist schwierig das Kader aus den wenigen Szenen die man im TV gesehen hat zu beurteilen. Bei mir haben eher Oblt. und Lt. einen zweifelhaften Eindruck erweckt. Auch wenn das so ist wie troupier schreibt sind sie trotzdem nicht aus dem Schneider, weil sie das Widerstandslos haben gefallen lassen !!!!
    Widerstand von untergebenem Kader gegen "unfähige" Vorgesetzte ist möglich, auch wenn der Kdt . schlussendlich das letzte Wort hat .
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    Beitragvon troupier suisse am Fr 14. Aug 2009, 16:19

    Dass eine vollständig Beurteilung nicht möglich ist leuchtet mir schon ein. Aber das was zu sehen war stellt den Kommandanten nicht wirklich in ein tolles Licht. Aber ich denke dass Du da einen guten Punkt angeschnitten hast. Was haben wir eigentlich zu sehen bekommen? Ich habe vielleicht nicht genau hingeschaut, aber ich habe keine Inspektionen mit Auslegeordnung, kein Gewehrgriffklopfen, kein Biwakbauen mit Schlauchzelt und keine Disziplinierung mit Nachexerzieren oder gar Arrest gesehen. Lauter unbeliebte Dinge im Aktivdienst, aber Dinge die alltäglich waren und daher in einer Sendung mit diesem Thema hätten prominenter erscheinen müssen (wenn sie überhaupt stattgefunden haben) wenn die Macher den selbst gesetzten Ansprüchen gerecht werden wollten. Aber vielleicht hatten ja auch jene Leute die Finger im Spiel, die Albträume von Uniformknöpfen kriegen. Dafür stellte sich ständig der Kommandant in Szene, und dazu würde es mich interessieren wer diesen Mann so von der Leine gelassen hat. Immerhin hatte ich meine Freude am Bauernhof.
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    Beitragvon gijoe am Fr 14. Aug 2009, 17:56

    Nun ja du hast echt , auch ich habe den militärischen Alltag vermisst. Viel zu kurze Sendezeit. Das Projekt hätte doch locker jeden Abend 1 h gefüllt.
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    Beitragvon Napoleon am Sa 15. Aug 2009, 06:45

    So, nun ist die Sendung vorbei und ich war gestern das letzte mal in Stans um mich um den Materialrückschub zu kuemmern.

    Die Verluste halten sich doch sehr in Grenzen.

    Ich hatte am Mittag Gelegenheit mit den Teilnehmern zu sprechen und vor allem die 20 Soldaten haben mir interessantes zu erzählen.
    Auch T.S der in der letzten Woche mehrere Tage bei der Truppe war hatte noch Infos. Übrigens bekomme ich von ihm noch exklusive Bilder die ich hier dann noch veroeffentlichen werde.

    Nach meinen Einschäzungen der Aussagen war es doch viel härter als es im Fernsehen ausgesehen hat. Jedoch war das Problem mit den Socken doch dann doch nicht so gross wie kommuniziert.

    Vieles interessantes wurde einfach nicht gezeigt. Auch zum Beispiel das die Truppe im Biwak wirklich Zelte aufgestellt hatte, und zwar wirklich in den verschiedensten Formen. 3 hatten sich sogar einen Schlafsack gemacht mit den Zelteinheit.

    Einige kamen sogar und meinten zu mir: gäll das hämmer falsch gmacht!. Übrigens wurde das Jackenausziehen auf dem Marsch von den Offizieren befohlen, obschon die Soldaten Zweifel an der authentischen Situation angemeldet haben. Die Soldaten wollten es wirklich so real als möglich erleben, dies scheiterte jedoch meines Erachtens an Stellen weiter oben. der Kdt. wollte sogar Annehmlichkeiten für die Truppe organisieren, die diese jedoch kategorisch ablehnte.

    Der letzte Spruch gestern des Kdt. wegen dem, das man immer 1942 war fand ich einfach nur peinlich. Ich weiss noch einiges was ich hier aus persönlichen und geschäftlichen Gründen nicht reinschreiben will, aber das war der absolute Hammer und ich dachte ich bin im falschen Film.

    Ich nehme den Hut vor den Soldaten die wirklich ihr bestes gegeben haben, natürlich sind die Frauen auf dem Hof nicht zu vergessen, aber die wollten es wirklich.
    Jeder Erfolg, den man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muß mittelmäßig sein, wenn man beliebt sein will.
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    Beitragvon gijoe am Sa 15. Aug 2009, 12:13

    Auch ich sage nochmals Hut ab vor den Soldaten und den Frauen auf dem Hof.
    Nach der gestrigen Sendung bin auch ich der Meinung das nicht alles so war wie es für den Zuschauer aussah !!! Schade um die vielen Szenen aus dem Alltag die wir Zuschauer nicht zu sehen bekamen .
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    Beitragvon Tech am Mo 17. Aug 2009, 19:35

    Ich habe vielleicht nicht genau hingeschaut, aber ich habe keine Inspektionen mit Auslegeordnung gesehen.

    @ troupier

    Es hat mich dann am Freitag abend doch noch gepackt, die Wochenschau des Projekts zu sehen. Dabei sind z.T. Szenen gezeigt worden, die man im Tagesrückblich nie zu Gesicht bekam. Um Dich diesbezüglich zu beruhigen: Es hat eine Art Materialkontrolle gegeben. Zwar in der Kantine und unter sehr beengenden Platzverhältnissen; aber dennoch so etwas wie "richtig".

    Für mich persönlich bleibt von der Festung ein neutraler Geschmack zurück: genug Pfeffer um die Suppe interessant zu gestalten, zu wenig Salz um Gefallen am Essen zu finden.
    Sicherlich nicht im Grundsatz schlecht, aber betriebswirtschaftlich betrachtet stimmen im Resultat Aufwand und Ertrag nicht überrein.

    Und wenns denn sein soll, so hat wenigstens die Diskussion um die Rolle der Armee im Reduit vielleicht einen Nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

    "Ein fundamentaler Grundsatz für die kleinen Armeen besteht darin, immer in Massen zu handeln; durch seine Anwendung allein können sie einige bedeutende Unternehmen vollbringen, indem sie darauf verzichten, alles zu decken und nur das Hauptziel anpeilen." (Jomini, 1779-1869)
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